
Wale, die größten Säugetiere der Erde, lieben es, zu singen. Wir nennen ihre Laute „Gesang“, weil sie wiederkehrenden Mustern in Tonhöhe, Rhythmus usw. folgen. Doch Walgesänge sind nicht einfach nur Geräusche; sie sind komplexe Formen der Lautkommunikation, d. h., sie verständigen sich mit vorhersehbaren und sich wiederholenden Strophen. Delfine beispielsweise verwenden rund 700 verschiedene „Wörter“, die sie zur Vermittlung ihrer Gedanken kombinieren.
So wie Menschen in Korea und den USA unterschiedliche Sprachen sprechen, bringen auch Wale je nach Art, Gruppe oder Region andersartige Laute hervor. Schwertwale in koreanischen Gewässern produzieren beispielsweise andere Töne als ihre Artgenossen in Gewässern der USA; es ist, als sprächen sie völlig unterschiedliche Muttersprachen.
Doch etwas Faszinierendes geschieht, wenn Wale mit voneinander abweichenden „Sprachen“ aufeinandertreffen. Im Jahr 2010 entdeckten Forscher der Universität von Puerto Rico, dass Große Tümmler und Guayana-Delfine ihre Lautäußerungen verändern, wenn sie in den sich überschneidenden Küstengewässern vor Costa Rica zusammenkommen. Statt ihrer gewohnten Rufe geben sie völlig neue Laute von sich. Obwohl der genaue Grund noch unbekannt ist, vermuten Wissenschaftler, dass dies der Versuch sein könnte, eine gemeinsame Kommunikationsform zu entwickeln.
Wale schwimmen unermüdlich durch die Weiten des Ozeans und singen Lieder, die durch das dunkle, stille Meer hallen. Diese Gesänge sind mehr als nur schöne Klänge; sie sind ihr Ausdruck eines tiefen Wunsches, sich mit Artgenossen ihres Schwarms zu verbinden und zu kommunizieren.