Der Kaninchen-Effekt

Um die Auswirkungen einer fettreichen Ernährung auf die Herzgesundheit zu untersuchen, führte ein US-Forschungsteam unter der Leitung von Dr. Robert Nerem ein ungewöhnliches Experiment durch. Eine Gruppe genetisch nahezu identischer Kaninchen erhielt eine extrem fettreiche Nahrung. Wie zu erwarten war, stiegen die Fettwerte in den Blutgefäßen der Tiere rasch an. Dennoch gab es eine erstaunliche Ausnahme: Eine Gruppe von Kaninchen blieb im Vergleich auffallend gesund.
Nachdem das Forschungsteam auf dieses unerwartete Phänomen gestoßen war, untersuchte es die Ursachen durch den Vergleich verschiedener Faktoren. Dabei entdeckten die Wissenschaftler, dass der für die jeweilige Gruppe zuständige Betreuer entscheidenden Einfluss auf die Gesundheit der Kaninchen hatte. Im Gegensatz zu seinen Kollegen, die die Kaninchen lediglich stumm fütterten, sprach ein Mitarbeiter dieser einen Gruppe mit den Tieren, nahm sie in den Arm und streichelte ihnen bei jeder Fütterung den Rücken. Das Forschungsteam kam zu dem Schluss, dass die Kaninchen trotz der fettreichen Kost dank dieser herzlichen Zuwendung gesund geblieben waren.
Dieses Experiment wurde als „Kaninchen-Effekt“ bekannt. So wie die Zuneigung des Betreuers die Gesundheit der Kaninchen schützte, dienen auch im menschlichen Leben kleine, freundliche Handlungen – die Sorge um das Wohlbefinden anderer und das Gefühl der Verbundenheit – als essenzielle Nährstoffquelle für die körperliche und geistige Gesundheit.