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Unter einer Erdschicht

Park Yun-jeong aus Seongnam in Korea

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Ich habe eine sukkulente Zimmerpflanze (Bogenhanf) geschenkt bekommen. In einem Topf befand sich eine Stuckyi mit sechs länglichen Blättern. Als der Tag wärmer wurde, begannen an einem Blatt Knospen zu sprießen. Nach zwei Tagen kamen auch aus den anderen fleischigen Blättern neue Triebe. Es war so erstaunlich, dass ich sie lobte und ihr mehr Aufmerksamkeit schenkte.

Fünf Blätter bildeten Knospen und nur eines blieb übrig. Ich beschloss zwar, mich noch etwas in Geduld zu üben, aber ich wurde unruhig, nervös und machte mir grundlos Sorgen. Nach einer Nacht fragte ich mich: „Wann wird der Spross erscheinen?“ Morgens nach dem Aufstehen: „Sind einige Triebe heute sichtbar?“ Am nächsten Tag: „Vielleicht heute die sehnsüchtig erwarteten Knospen …“ Die Frage nach neuen Sprossen wurde mir inzwischen zur Gewohnheit. Im Laufe der Zeit schlich sich der Gedanke allmählich an: „Dieses letzte Blatt wird doch keinen einzigen Spross treiben. Wahrscheinlich warte ich vergeblich darauf!“ Nach ein paar weiteren Tagen hisste ich schließlich die weiße Fahne, denn ich wollte mich keiner trügerischen Hoffnung hingeben.

Um die verbleibenden Triebe umzutopfen, kippte ich den Blumentopf um und begann mit der Trennung. In diesem Moment fiel mein Blick auf den letzten, sechsten Spross. Unter der Erde flach vergraben, war er kurz davor, in den nächsten Tagen das Licht der Welt zu erblicken.

Erst dann wurde mir klar, warum ich so ungeduldig mit den Sprösslingen war: weil es jetzt so aussah wie bei mir. Jeder verkündete das Wort Gottes seinen Familienangehörigen und Verwandten, in der Schule und am Arbeitsplatz und führte sie zur Erlösung, während ich allein ohne Früchte und beunruhigt war, was sich in einem noch nicht erschienenen Spross widerspiegelte. So habe ich daraus Hoffnung geschöpft: Wie unter einer Erdschicht ein neuer Trieb verborgen liegt, so werden auch die von Gottvater und Gottmutter für mich vorbereiteten Früchte bald heranreifen. Von nun an werde ich nicht mehr voller Ungeduld und Zweifel sein, sondern im felsenfesten Vertrauen auf ihre Verheißung geduldig und stillschweigend den mir anvertrauten Auftrag erfüllen.

Unter einer Erdschicht

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