Herr Lob und Herr Tadel

Ein Wanderer, der durch ein kleines Dorf in der ländlichen Gegend zog, wurde Zeuge eines seltsamen Anblicks. Auf zwei Reisfeldern, nur durch aufgeschüttete Lehmdämme getrennt, wurde gerade Reis geerntet. Auf dem einen Feld arbeiteten viele Menschen zusammen, während auf dem anderen der Großbauer mutterseelenallein schuftete. Der Reisende fand dies doch merkwürdig, näherte sich dem ersten Feld und sprach die geschäftigen Erntehelfer an:
„Bitte erklären Sie mir mal diese unverständliche Situation. Warum verhalten sich die Leute aus demselben Dorf so ungerecht? Hier sind so viele Hilfskräfte, die einander bei der Ernte helfen, aber warum hilft niemand auf dem anderen Feld?“
„Wie können Sie so etwas sagen?“, entgegnete einer der Erntearbeiter. „Wir sind einfach unserem Herzen gefolgt. Der Grundbesitzer auf dieser Seite, Herr Lob, findet immer nur anerkennende Worte für uns. Wohingegen der Großbauer dort drüben, Herr Tadel, alles missbilligt und abfällig beurteilt, sobald er den Mund aufmacht. Da versteht es sich doch von selbst, dass wir alle hierherkommen, nicht wahr?“