Der Dieb, der sich selbst bestohlen hat

Es gab einmal einen weltweit berühmt-berüchtigten Juwelendieb. Er verstand es meisterhaft, der Oberschicht ihre wertvollsten Schmuckstücke zu entwenden. Er agierte so klug und gerissen, dass er der Polizei über viele Jahre hinweg immer wieder entwischte.
Eines Tages jedoch wurde er bei einem Einbruch auf frischer Tat ertappt und zu zwanzig Jahren Haft verurteilt. Als er schließlich aus dem Gefängnis entlassen wurde, war er bereits sechzig Jahre alt – die Blütezeit seines Lebens lag hinter ihm. Von tiefem Bedauern über seine Vergangenheit erfüllt, zog er in ein kleines Dorf, um fortan ein ehrliches Leben zu führen.
Dort wurde er eines Tages von einem Reporter interviewt, der ihm folgende Frage stellte: „Von all den unzähligen Reichen dieser Welt: Wessen Besitz haben Sie am meisten gestohlen?“
„Derjenige, den ich am meisten bestohlen habe, war ich selbst. Ich war handwerklich geschickt, verstand mich bestens auf Maschinen und spielte virtuos Klavier. Ich war redegewandt, von vielen Freunden umgeben, agil und sportlich. Doch ich habe all diese angeborenen Talente nur eingesetzt, um zu stehlen – und so die besten Jahre meines Lebens hinter Gittern verschwendet. Deshalb bin ich selbst derjenige, den ich am meisten bestohlen habe.“
Jeder Mensch kommt mit einzigartigen Begabungen zur Welt. Wer jedoch seine gottgegebenen Talente an bedeutungslose Dinge verschwendet, handelt genau wie dieser Dieb: Er bestiehlt sich am Ende nur selbst.