Nützliche Scham

Scham ist ein Gefühl, das wir empfinden, wenn wir etwas falsch gemacht oder einen Fehler begangen haben. Genauer gesagt entsteht sie nicht einfach aus dem Fehlverhalten selbst, sondern aus der Angst, von anderen als fehlerhaft wahrgenommen zu werden. Deshalb empfinden Menschen Scham je nach der Blickweise anderer unterschiedlich, selbst wenn sie denselben Fehler gemacht haben.
Dr. Anna Lembke, Professorin für Psychiatrie an der Stanford University, unterscheidet zwei Arten von Scham: „destruktive Scham“ und „nützliche Scham“. Destruktive Scham wird von einem Minderwertigkeitsgefühl begleitet. Sie führt letztlich zu Depression sowie Verzweiflung oder verleitet dazu, auf Tadel und Vorwürfe mit Abwehr zu reagieren. Nützliche Scham hingegen entspringt dem aufrichtigen Wunsch, das eigene Verhalten zu reflektieren und Fehler nicht zu wiederholen. Sie entsteht, wenn eine Korrektur mit Wärme, Ermutigung und Unterstützung einhergeht.
In diesem Sinne ist Scham ein wichtiges Gefühl – sie hilft uns zu erkennen, wenn wir eine Grenze überschritten haben. Ohne sie könnten wir gegenüber unangebrachtem Verhalten abstumpfen. Während harte Kritik und Schuldzuweisungen jemanden jedoch nur in die Enge treiben, lenken Geduld und Empathie die Scham in eine positive Bahn und machen sie zu einem Sprungbrett für persönliches Wachstum.