Sieben Gefangennahmen und sieben Freilassungen (七縱七擒)

Wer etwas erreichen will, muss sich in Geduld üben. Die meisten Erfolge, die ohne Geduld erzielt werden, sind wie Sandburgen, die schnell zerbröckeln. Dies ist die Geschichte des Staatsmannes zur Zeit der Drei Reiche, Zhuge Liang, der einen Aufstand niederschlagen musste, um die innere Ordnung wiederherzustellen. Mit allerlei Strategien besiegte Zhuge Liang den Feind mühelos und nahm den feindlichen Befehlshaber Meng Huo gefangen. Nach Meng Huos Gefangennahme entschied Zhuge Liang, dass dessen Tötung – zumal dieser das uneingeschränkte Vertrauen der Barbaren genoss – nicht der beste Weg wäre und der Stabilität des Staates nicht dienen würde. Daher beschloss er, Meng Huos Herz zu gewinnen beziehungsweise dessen Geist zu brechen und seine Loyalität zu erlangen. So ließ ihn der geniale Shu-Stratege daraufhin sofort frei.
Doch Meng Huo führte seine Truppen erneut in einen Aufstand und fiel wieder in die Hände von Zhuge Liang, der ihn aber wieder auf freien Fuß setzte. Dieser Kreislauf aus Freilassung und Gefangennahme wiederholte sich sieben Mal. Erst nach seiner siebten Gefangennahme unterwarf sich Meng Huo Zhuge Liang aufrichtig und schwor dem Staat Shu seine unerschütterliche Treue. Hier liegt der Ursprung der Redewendung Chiljongchilgeum (七縱七擒) mit der Bedeutung, einen Gegner durch Güte und Nachsicht für sich zu gewinnen, statt auf rohe Gewalt zu setzen – also auf Geduld, Psychologie und Versöhnung zu vertrauen.
Selbst Zhuge Liang, der bis heute als der strategisch größte Feldherr und als Inbegriff für höchste Weisheit und Loyalität gilt, übte Geduld und beherrschte die Gedanken seiner Gegner, um sie von selbst in die Knie fallen zu lassen.