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Der Gedanke der Mutter

Eun-Hye Choi aus Incheon in Korea

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Meine Schwester ist ein Jahr älter als ich. Da wir vom Alter her ähnlich sind, zankten wir uns oft wie Freunde. Bei all diesen Gelegenheiten schimpften meine Eltern jedoch mit mir. Ich konnte ihre Meinung nicht akzeptieren, egal wie gut sie mich behandelten, weil ich es für ungerecht hielt.

Als ich zu arbeiten begann, zog ich von meinen Eltern aus und lebte allein. Ich ging einmal in der Woche zu ihnen. Eines Tages gingen meine Mutter, meine Schwester und ich nach langer Zeit zusammen in einem Kaufhaus einkaufen.

Als wir uns hier und da umsahen, entdeckte meine Mutter die stark ausgetragenen Schuhe meiner Schwester und ging in ein Schuhgeschäft, um ein Paar Schuhe für sie zu kaufen. Ich dachte: „Sie wird auch meine Schuhe kaufen.“ Nachdem meine Mutter die Schuhe für meine Schwester gekauft hatte, ging sie jedoch in ein Lebensmittelgeschäft. Als wir nach dem Einkaufen zum Schuhladen zurückkamen, konnte ich es nicht mehr aushalten und sagte zu ihr:

„Mama, ich will auch Schuhe kaufen.“

„Deine Schuhgröße ist zu klein, um hier welche zu kaufen.“

Wie sie sagte, sind meine Füße sehr klein; Schuhe in meiner Größe waren also selten. Trotzdem wollte ich unbedingt ein Paar Schuhe. Ich suchte mir ein Paar Schuhe nach meinem Geschmack aus, aber meine Mutter hatte recht; alle Schuhe waren zu groß für mich.

Als wir den Laden verließen, ohne eine andere Wahl zu treffen, schmollte ich wütend. Die Stimmung wurde schwer.

„Es tut mir leid. Ich kaufe dir später in dem Laden, in den wir sonst immer gehen.“

Auf dem Heimweg sagte meine Mutter immer wieder, dass es ihr leidtue. Aber ich fühlte mich dadurch nicht besser. Wenn man bedenkt, dass meine Mutter meine Schwester wie ihren Augapfel liebte, während ich wie ein fünftes Rad in der Familie behandelt wurde, dachte ich sogar, dass ich vielleicht gar nicht die richtige Tochter meiner Mutter sei.

Meine Schwester schrieb mir eine SMS, als ich in meine Wohnung zurückkehrte:

„Mama hat dir gesagt, sie werde dir woanders Schuhe kaufen. Entspann dich! Nur die Ruhe!“

Als ich mich gerade noch düsterer fühlen wollte, stach ihre nächste Nachricht in mein Gewissen:

„Hat sie dir nicht neulich teure Turnschuhe gekauft?“

Oh, das stimmte. Es tat mir leid, dass ich mich über meine Mutter geärgert hatte. Dann erinnerte ich mich an ein vergangenes Ereignis, das ich völlig vergessen hatte.

Als meine Schwester geboren wurde, lag ihr Gewicht weit unter der Norm. Sie blieb eine Zeit lang in einem Inkubator. Danach wurde sie leicht krank, was meine Mutter sehr beunruhigte. Im Gegensatz dazu war ich von Natur aus gesund und stämmig.

Meine Eltern schenkten meiner Schwester mehr Aufmerksamkeit, nicht weil sie mich ignorierten, sondern weil sie sich einfach Sorgen um sie machten, denn sie wurde häufig von einer Krankheit befallen. Und natürlich gab es viele Momente, in denen sie mich besser behandelten als meine Schwester.

Meine Mutter wollte nur ein Paar Schuhe kaufen, weil die Schuhe meiner Schwester zu alt waren. Ich schämte mich für mich selbst. Ich war es, nicht meine Mutter, die sich entschuldigen sollte.

Ich schickte sofort eine SMS an meine Mutter.

„Mama, es tut mir furchtbar leid. Du weißt doch, dass ich dich liebe, oder?“

Nach ein paar Minuten schickte mir meine Mutter, die nicht gut im SMS-Schreiben war, eine Antwort:

„:-)“

Das einfache Gefühlssymbol zeigte, was meine Mutter dachte.

Ich bin unreif und bestehe immer auf meiner Meinung und beschwere mich bei meiner Mutter. Sogar gegenüber der himmlischen Mutter verhalte ich mich so. Dann tut meiner Mutter etwas leid, worüber sie sich zu Recht ärgert, und sie kümmert sich mit Liebe um mich. So ist es auch mit der geistlichen Mutter. Es ist unerträglich, dass ich die Dinge immer ein bisschen zu spät erkenne. Jetzt sollte ich reif werden, damit ich das Lächeln der Mutter werden kann.